also, es ist schon mit Verlaub gesagt – eine selten dämliche Ausrede, wenn eine Schaffnerin behauptet, sie wüsste nicht, dass vierjährige Umsonst fahren. Über die Ausreden, die die Bahn im Zusammenhang mit den Zwischenfällen der letzten Woche berichtet, kann man wahrlich nur den Kopf schütteln – vielleicht haben diese sogenannten Zugbegleiter nur ein Feindbild: die Bahnkunden! Den Rest des Beitrags lesen »
wieder Familie aus dem Zug geworfen
Dezember 22, 2008 von globowriterBoss, die Bürgerinitiative und die Vollbeschäftigung
September 8, 2008 von globowriterMetzingen plagt ein Luxusproblem: Das Städtchen hat kaum noch Arbeitslose. Nun legen sich die Einwohner mit dem größten Arbeitgeber an – Hugo Boss – meint zumindest der Spiegel.
Der Ort scheint eine charmante deutsche Provinzstadt zu sein wie viele andere. Ein Eiscafé heißt „Venezia“, das Kino noch Lichtspielhaus, und auf dem Marktplatz steht das alte Rathaus, idyllisch verschnitzt natürlich. Beschaulich, gepflegt, langweilig – auf den ersten Blick. Denn es gibt noch ein zweites Metzingen. Den Rest des Beitrags lesen »
Spitzen-Sport und olympisches Gold auf der 17. EUROBIKE
September 7, 2008 von globowriterErfolgreicher Start der 17. EUROBIKE – Olympiasieger Sabine Spitz und Jan Frodeno besuchen die internationale Leitmesse – Spektakulärer Radsport am Publikumstag
Gelungener Auftakt für den Szenetreff der internationalen Fahrradbranche in Friedrichshafen: Zum ersten Messetag der EUROBIKE (4. bis 7. September 2008) reisten bereits tausende Fachbesucher und Journalisten aus aller Welt an den Bodensee, um sich bei 938 Ausstellern über die Bike-Trends der Zukunft zu informieren. Neben der reinen Produktschau stellt sich der Radsport in Friedrichshafen auch mit zahlreichen Sportgrößen in Aktion vor.
In der Nissan Sports Adventure Arena misst sich die Bike-Elite am Publikums-Sonntag in den Disziplinen Dirt Jump und 4 Cross. Von der sieben Meter hohen Rampe rasen die BMX-Fahrer hinab Richtung erster Hügel. Wie ein Miniatur-Gebirge verteilen sich die Erhebungen über den Parcours im Freigelände. Beim EUROBIKE Nissan 4 Cross springen, fliegen und treten sie im Kampf um die beste Position für die nächste Kurve – und oft stürzen sie bereits in der ersten. Wie schon bei den olympischen Spielen in Peking, bei denen die BMX-Fahrer erstmals an den Start gingen, begeistern die Rampen-Radler auch das Messepublikum.
Im zweiten Wettbewerb, dem EUROBIKE Nissan Dirt Jump Contest, treten die „Dirter“ einzeln an und wollen die Jury durch Eleganz und Style überzeugen. Dabei müssen sie mehrere Sprunghügel meistern und während der Luftphase ihre Tricks zeigen. Am Start beider Wettbewerbe sind Biker der Weltelite: Der viermalige Weltmeister Brian Lopes (Laguna Beach) stellt sich seinen Herausforderern im 4 Cross. Der Spanier Andre Lacondeguy, Sieger des Nissan Qashqai Challenge im Madrider Stadion Santiago Bernabeu und der deutsche Benny Korthaus, der beim Finale der Qashqai Challenge in London den englischen Locals die Stirn geboten hat, treffen im Dirt Jump auf die internationale Spitze. Die Finalläufe beider Wettbewerbe finden am Publikums-Sonntag, 7. September, ab 12 Uhr statt.
Unter die EUROBIKE-Fachbesucher mischen sich auch zahlreiche Olympiateilnehmer. Zwei von ihnen haben sogar ihre Goldmedaillen im Gepäck. Sabine Spitz, Olympiasiegerin im Mountainbike, und Jan Frodeno, der Sieger beim olympischen Triathlon, stehen an den Ständen ihrer Sponsoren für Autogrammstunden und Interviews zur Verfügung.
Die EUROBIKE ist von 4. bis 6. September 2008 täglich von 10 bis 19 Uhr nur für den Fachhandel und die Medien geöffnet. Am 7. September ist Publikumstag von 10 bis 18 Uhr.
In Deutschland erfunden, in Japan gebaut
September 6, 2008 von globowriterLand der geklauten Ideen: Viele deutsche Erfindungen wurden erst von asiatischen und amerikanischen Firmen zu Verkaufsschlagern gemacht. einestages zeigt die verpassten Chancen – und verrät, warum der Walkman eigentlich aus Deutschland kommen müsste. Von Klaus-Peter Kerbusk
Die Liste ist lang. Vom Airbag bis zur Zündkerze, vom Aspirin bis zum Kaffeefilter, vom Dübel bis zum modernen Fußballschuh – auf Schritt und Tritt begleiten Erfindungen aus Deutschland den modernen Menschen durch den Alltag. Und Firmen wie Daimler und Bosch, Bayer, Melitta, Fischer und Adidas brachten die Entdeckungen ihrer Tüftler eine Menge Geld ein. Den Rest des Beitrags lesen »
Argenbühl: Sonniger Auftakt zur 17. EUROBIKE
September 3, 2008 von globowriterPerfekte Bike-Bedingungen mit sommerlichen Temperaturen erlebten die Besucher des Demo Days am Mittwoch, den 3. September, in Argenbühl. In der zweiten Auflage des Testtages traten Fahrrad-Fans aus aller Welt in die Pedale. Über 100 internationale Aussteller präsentierten ihre Innovationen der neuen Saison einem fachkundigen Publikum und 370 Journalisten von Fach- und Tagesmedien, Rundfunk und Fernsehen. Dabei mussten sich die Neuheiten beim Demo Day auch dem Härtetest stellen: Ob Rennrad, E-Bike, Liegerad oder Mountainbike – auf fünf verschiedenen Rad-Strecken wurden die jeweiligen Bikes in ihrem Element getestet. Dafür bietet Argenbühl – auch „Toskana des Allgäus“ genannt – perfekte Bedingungen.
Frühe Grundlage zur bürgerlichen Freiheit
August 12, 2008 von globowriter
Fortschrittliches Baden
Karlsruhe – Nur ein kleiner Schritt für die Menschheit aber ein großer Schritt für Baden war die Aufhebung der Leibeigenschaft vom damaligen badischen Markgrafen Karl Friedrich am 23. Juli 1783. Manche Historiker sehen darin eine der bedeutendsten vorrevolutionären Initiativen, andere den Beginn der badischen Liberalität. Karl Friedrich von Baden regierte ab 1746 als Markgraf von Baden-Durlach und galt als Musterbeispiel eines aufgeklärten absolutistischen Herrschers. So förderte er während seiner langen Regierungszeit Schulen und Universitäten, Rechtsprechung, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur und Städtebau. 1767 schaffte er die Folter und 1783 die Leibeigenschaft ab, als einer der ersten deutschen Fürsten. „Wir stehen nunmehro an dem lange gewünschten Zeitpunkt, der Uns in den Stand setzt, in Unserer Staats- und Finanzverwaltung verschiedene Einrichtungen zu treffen, welche Unsere lieben Untertanen von allzu beschwerlichen Aufgaben befreien. Wir haben Uns entschlossen, sogleich mit der Aufhebung der Leibeigenschaft Unseren Untertanen eine vorzügliche Erleichterung zu verschaffen“, wird Karl Friedrich zitiert. Zwölf Pfennige pro Mann, ein Huhn pro Frau: Schmerzliche Abgaben
Selbst hundert Jahre später wurde er dafür noch gefeiert: „Es war ein, besonderer Hervorhebung würdiger, edler Zug im Charakter des ausgezeichneten Fürsten, dass er sich nicht auf die lediglich geschäftliche und wirtschaftliche Aufhebung dieser Abgaben beschränkte“, hieß es in der Festgabe der Stadt zum 100-jährigen Gedenktag der Aufhebung der Leibeigenschaft. In ganz Baden wurde dieser Tag zum Ehrentag für Karl Friedrich, auch wenn die Karlsruher Bürger der Leibeigenschaft nie wirklich unterworfen waren. Denn hier war den neu Zuziehenden bereits im Jahr der Stadtgründung 1715 im Privilegienbrief eine „ewige Befreyung“ von der Leibeigenschaft zugesichert worden, wie die Stadt Karlsruhe mitteilt. Heute wird mit dem Wort Leibeigener oft die Vorstellung eines sklavenähnlichen Daseins verbunden. In der Realität war die Leibeigenschaft in Baden im 18. Jahrhundert noch mit zwei Beschränkungen verbunden: Die Leibeigenen hatten einige nicht allzu hohe Abgaben zu leisten, „ein Mann zwölf Pfennige, eine Frau ein Huhn pro Jahr“, teilt Kurt Andermann, Historiker am Generallandesarchiv in Karlsruhe gegenüber ka-news mit. An Stelle des sogenannten Leibzinses traten ab 1783 allerdings Untertanen-Pflichten. Die Bürger mussten nun etwa Steuern bezahlen oder Frondienst leisten. „Großspurig“ bezeichnet Andermann die Novellierung von Karl Friedrich. Die Befreiung von der Leibeigenschaft, der Abhängigkeit eines Individuums von einem Leibherrn, sei schon Bestand der mittelalterlichen Freiheitsprivilegien gewesen. Geschickt sei der Schachzug gewesen und äußerst wirksam, wobei die Leibeigenschaft auch nur für das Territorium innerhalb des markgräfischen Herrschaftsbereichs galt. Außerhalb dieses Gebietes lebende Personen waren auch nach 1783 noch unter dem Joch der Abhängigkeit. Ein moderner Markgraf war Württemberg eine Nasenlänge voraus Dennoch wird Karl Friedrich ein großer Verdienst auf dem Weg zur völligen Freiheit zugeschrieben, da der Schritt aus freien Stücken und ohne öffentlichen Druck geschah, als Konsequenz sogar den wirtschaftlichen Aufschwung förderte. Letztlich sei es aber nur eine veränderte Bedeutung des Begriffes der Leibeigenschaft gewesen, wie Andermann mitteilt. „Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist die Leibeigenschaft flächendeckend und inhaltlich verschwunden.“ Ein kleines Relikt kann man heutzutage noch in der Erbschaftssteuer entdecken, die allerdings nicht mehr an den Landesherren zu entrichten ist. In erster Linie löste die Aufhebung der Leibeigenschaft beim badischen Volk enthusiastischen Jubel aus. „Insgesamt war Karl Friedrich für die damalige Zeit ungewöhlich modern“, attestiert Andermann. Wenig verwunderlich sei es deshalb, dass ihn seine Untertanen innig liebten und er bis heute vielerorts als Urvater der badischen Liberalität gilt. Im Anschluss wurde Karl Friedrich zudem der erste Großherzog von Baden. Diesen Titel verlieh ihm der französische Kaiser Napoleon im Jahre 1806. 1811 verstarb Karl Friedrich in Karlsruhe und bekam einen kleinen Triumph nicht mehr mit: In Württemberg wurde die Leibeigenschaft erst im Jahre 1817 abgeschafft. (pbm) |
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Niggemeier und die toten Mädchen von Neapel
Juli 28, 2008 von globowriterguter und absoluter Beitrag auf dem Niggemeier-Blog:
Es gibt Meldungen, die sind auf eine furchtbare Art perfekt. Die (falsche) Geschichte von dem Jungen, der in Sebnitz von rechtsradikalen Jugendlichen im Schwimmbad ertränkt wurde, war so eine. Sie ließ die beunruhigende Entwicklung neonazistischer Gewalt in Ostdeutschland mediengerecht in einen einzigen Fall kondensieren, der dazu noch die schlimmsten Befürchtungen übertraf, und taugte als Aufhänger für Leitartikel, in denen es nicht um diesen Fall ging, diese Stadt, sondern um das Große und Ganze.
Das Geschehen an einem Strand in Neapel, an dem die Menschen unbeeindruckt von den Leichen zweier Roma-Kinder ihrem Urlaubsvergnügen nachgehen, ist auch so eine Meldung. In einem einzigen Bild scheint die ganze Menschenfeindlichkeit des Umgangs der Italiener mit den Roma geronnen, der alltägliche Hass auf die Fremden, eine Pogrom-Stimmung, teils geschürt, teils ausgenutzt von einer skrupellosen Regierung.
Streit über Berlin-Rede wird für Obama zum Wahlkampfproblem
Juli 14, 2008 von globowriterDie heftige Debatte über Barack Obamas Auftritt in Berlin zeigt erste Auswirkungen im US-Wahlkampf: Die Kontroverse droht dem Präsidentschaftskandidaten zu schaden. Sein Team sucht angestrengt nach einer Lösung – eine Rede am Brandenburger Tor wird immer unwahrscheinlicher.
Washington – Spätestens jetzt können US-Wahlkampfreporter den Namen „Brandenburger Tor“ buchstabieren. Am Sonntag schlenderte Barack Obama auf dem Flug nach San Diego zu den Journalisten, die ihn ständig begleiten. Das macht er nicht mehr oft, und so feuerten die Pressevertreter nur ihre wichtigsten aktuellen Fragen ab. Es ging, notierte die „New York Times“, um Rassenbeziehungen, um die Kreditkrise, um den Irak.
Und um Obamas geplante Rede vor dem Brandenburger Tor in Berlin.
Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel davon wenig begeistert ist, hat sich in den amerikanischen Medien inzwischen herumgesprochen. Doch Obama, lässig im offenen Hemd ohne Krawatte, gab sich betont entspannt: „Wir haben versucht, einen geeigneten Ort zu finden, aber wir hatten keinen besonderen im Sinn. Ich möchte nur sicherstellen, dass meine Botschaft gehört wird, und will keinen Konflikt verursachen“.
Es klang beinahe beiläufig. Aber Obamas Bemerkung deutet auf ein Ende seiner ambitionierten Rede-Pläne vor dem Brandenburger Tor hin, die sein Team seit Tagen in Atem halten. Es sei schon „ziemlich verrückt“, wie lebhaft die Debatte geworden sei, verlautete es aus Obama-Kreisen gegenüber SPIEGEL ONLINE.
Doch eine Lösung stehe unmittelbar bevor, ist zu vernehmen. Schon Anfang dieser Woche wird ein Obama-Team in Berlin erwartet, um die logistischen Details des Besuchs zu klären. Der deutsche Streit zwischen der von den Redeplänen am Tor „befremdeten“ Kanzlerin, ihrem nicht befremdeten Außenminister und einem betont gastfreundlichen Berliner Bürgermeister Wowereit soll die Visite von nun an nicht mehr belasten.
Eine rasche Lösung muss her, denn die Tor-Kontroverse hat erreicht, was Obamas Team partout verhindern wollte: Seine Europa-Reisepläne sind daheim zum Wahlkampfthema geworden. CNN fragt: Ist ein offener Konflikt mit der Regierungschefin eines wichtigen US-Verbündeten wie Deutschland ein gutes Beispiel für die kooperativere Art von Außenpolitik, die Obama verspricht?
Bill Galston, einst enger Mitarbeiter von Bill Clinton, bemängelt im „Daily Telegraph“ die „Naivität“ der Obama-Berater. Die populäre Website „Politico“ zitiert Einschätzungen, der Demokrat könne arrogant und anmaßend wirken, wenn er sich gegen Merkels Willen für das Brandenburger Tor entscheide. Leserkommentare auf Republikaner-nahen Internetseiten deuten Obamas ehrgeizige Rede-Pläne genüsslich als Beleg für dessen angebliche grenzenlose Selbstverliebtheit.
Das bestätigt jene Stimmen in Obamas Team, die von Anfang an Bedenken gegen die Reise hegten. Zwar erkannten sie den Nutzen, Obamas Europa-Kompetenz unterstreichen zu können. Denn die war etwa im Vorwahlkampf unter Beschuss geraten: Da warf Parteirivalin Hillary Clinton ihm vor, als Vorsitzender des Unterausschusses für Europa im US-Senat keine einzige Anhörung abgehalten zu haben. Der republikanische Bewerber John McCain gilt hingegen als überzeugter Transatlantiker, der in Europas Hauptstädten bestens bekannt ist.
Das Brandenburger Tor bot sich zudem als perfekte Kulisse an, Obamas Potential zu unterstreichen, das amerikanische Ansehen in Europa rasch zu reparieren. „Amerikaner sind besonders besorgt über den Vertrauensverlust in Ländern wie Deutschland, die so lang enge Verbündete waren. Berlin und das Brandenburger Tor haben für sie immer noch eine besondere symbolische Bedeutung“, sagt Stephen Szabo vom German Marshall Fund in Washington SPIEGEL ONLINE. Obama will in seiner Berliner Rede für einen Neuanfang in der transatlantischen Partnerschaft werben.
Doch stand dagegen, auch in Obamas Team, immer die Frage: Ist das den ganzen Trubel und Aufwand wert? Europa spielt keine große Rolle im US-Wahlkampf, Verweise auf den Kontinent können leicht nach hinten losgehen. Als Obama diese Woche empfahl, Amerikaner sollten wie Europäer mehr Fremdsprachen lernen, hagelte es umgehend Kritik von Republikanern. „Offensichtlich will Obama sich von Europa inspirieren lassen“, schimpfte der ehemalige Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney, der als möglicher McCain-Vize gehandelt wird. „John McCain wird sicherstellen, dass Amerika Amerika bleibt.“
Solche Rhetorik klingt vertraut: Im Wahlkampf 2004 hatte sich der damalige demokratische Präsidentschaftsbewerber John Kerry gebrüstet, europäische Staatsmänner hofften auf seinen Sieg. Die Republikaner karikierten ihn daraufhin erfolgreich als „zu europäisch.“
Wichtiger ist für Obama der Irak-Besuch – vielleicht gemeinsam mit einem potentiellen Vizepräsidenten?
Deshalb wird Obama seine Visite nun wohl weniger grandios inszenieren als geplant – auch wenn der Berliner Senatssprecher Richard Meng am Sonntag erneut betonte, das Angebot einer Rede am Brandenburger Tor bestehe weiterhin. Wahrscheinlicher ist aber mittlerweile ein Auftritt an anderer Stelle. Etwa am Rathaus Schöneberg, dem Flughafen Tempelhof, vor dem Reichstag oder am Gendarmenmarkt. Bilder von jubelnden Europäern für die Wahlkampfspots daheim lassen sich auch dort einfangen. Ein Gang durch das Brandenburger Tor oder ein Besuch des Kennedy-Museums am Pariser Platz würden daneben immer noch ins Programm passen.
In jedem Fall aber wollen Obamas Berater jede weitere öffentliche Debatte verhindern. „Sie haben kein Interesse daran, nachzukarten“, sagt Szabo. „Obwohl sie Merkels scharfe Wortwahl bestimmt nicht völlig vergessen werden.“ Auch auf die Diskussion über Einflussversuche der Bush-Regierung auf Bundeskanzlerin Merkel werden sie sich nicht einlassen. Immerhin haben sowohl das Weiße Haus als auch das Bundeskanzleramt solche Gerüchte scharf zurückgewiesen.
Andererseits ist es ein offenes Geheimnis, dass das Weiße Haus den Wahlkampf von John McCain stets im Auge hat – und so vielleicht einen zu herzlichen Empfang für Obama in Berlin verhindern wollte. Veteranen der Bush-Wahlkämpfe sind in dessen Stab gewechselt.
Schon bei McCains Kolumbien-Reise Anfang Juli gab es Vorwürfe, das Weiße Haus habe diesem einen PR-Erfolg zugeschachert. Denn McCain war von der mit Bush befreundeten kolumbianischen Regierung über Einzelheiten der Befreiung von Ingrid Betancourt vorab informiert worden, was ihn sehr präsidial aussehen ließ. Auch in diesem Fall bestritt das Weiße Haus jede Einflussnahme.
Kurz nach Obamas Europa-Trip steht eine noch wichtigere Reise für Obama an: in den Irak. Vielleicht um von der Berlin-Debatte abzulenken, enthüllte sein Team am Wochenende dazu erste Details: Chuck Hagel, republikanischer Senator aus Nebraska, wird Obama begleiten.
Hartnäckig halten sich Gerüchte, Hagel – ein Außenpolitik-Experte, der Bushs Irak-Politik ungewöhnlich offen kritisiert hat – könnte sich eine Vizepräsidentschaftskandidatur unter Obama vorstellen. Obama lobte den Republikaner am Sonntag bereits überschwänglich. Hagel folge keiner Ideologie, sondern wolle immer die Wahrheit herausfinden – und sei noch dazu ein richtig guter Typ.
„Computer ärgern sich einfach nicht richtig“
Juni 18, 2008 von globowriterSeit einem Vierteljahrhundert untersucht die „Spielestelle“ des Fachbereichs Angewandte Sozialwissenschaften Spiele für alle Altersstufen. Im Vordergrund: Kommunikative und pädagogische Aspekte.
„In einer weitgehend durchrationalisierten und konsumorientierten Welt gewinnen Freizeit und Spiel zunehmend an Bedeutung. Kreativität, Phantasie und Toleranz sollen gefördert werden“, sagt der Leiter der Stelle, Prof. Dr. Rainer Korte (64).
Beratung und Information über Spiele – vom Kindergarten bis zum Seniorenheim – ist eine ihrer Aufgaben. Sie gibt Empfehlungen, hilft bei Anleitungen. „Die besten Spiele sind aber immer noch die, die man nicht seitenlang erklären muss“, weiß Prof. Korte. Schnell muss es gehen und Spass muss es machen. Dazu gehören natürlich auch Mitspieler und Gegner. „Ein Computer kann sich einfach nicht vernünftig ärgern“, hebt Rainer Korte die kommunikative Komponente hervor. Dazu müssen die Spiele natürlich altersgerecht ausgelegt sein.
Man kann es aber auch übertreiben. Korte: „In Seniorenheimen ärgern sich die Leute maßlos, wenn man mit einem „Mensch, ärgere dich nicht – Spiel“ in XXL-Format ankommt.“ Stattdessen sind hier Evergreens wie „Vier gewinnt“ genauso gefragt wie zielgruppengerechte Neuentwicklungen: „Vertellekes“ etwa ist ein Spiel, in dem Senioren Anekdoten aus ihrem Leben zum Besten geben können.
Mitarbeiter Lars Thoms weiß übrigens, dass die Welt des Spiels nicht grenzenlos ist: „Die Muster sind nicht beliebig erweiterbar, die Prinzipien ähneln sich sehr oft.“ So ist bei Kindern und alten Menschen oft ein hoher Glücksfaktor hilfreich: Die Tage des guten alten Würfels sind noch lange nicht gezählt.
Das Spielearchiv in der Otto-Hahn-Straße umfasst mittlerweile 3500 Exemplare: Vom Würfel- und Kartenspiel bis hin zum Strategie- und Bewegungsspiel.
Tendenz: steigend. Umsatzsteigerungen bei den Spielverlagen von 10 Prozent sind für die letzten Jahre normal. Dieser rapiden Entwicklung stehen viele Verbraucher – wie so oft – ratlos gegenüber. Wer schon einmal Beratung in so genannten Fachmärkten gesucht hat, weiß, wovon die Rede ist. „Wir haben den Auftrag“, so Rainer Korte, „ein Gegengewicht durch Informationen zum puren Kommerz zu bilden“. Unabhängigkeit und Objektivität sind für die Arbeitsstelle mehr als nur Schlagworte.
Wobei man auch stets für Neues offen ist. Das Schlimmste, so Korte, sind die selbsternannten Spieleerfinder: „Die präsentieren uns dann die 25. Version von ‘Monopoly“ in lila’.“ Man kann es, wie gesagt, auch übertreiben. Aber die wenigsten tun das.
Chef sein macht einsam
Juni 15, 2008 von globowriterPolitikern trauen sie gar nicht, externen Informationen nur ungern: Deutsche Topmanager kapseln sich von der Außenwelt ab – das belegen Unternehmensberater und Forscher in einer gemeinsamen Studie. Nur eine Vertraute haben die Bosse – ihre eigene Frau.
Als Rudolf Schulten den Chefsessel des Mannheimer Stromversorgers MVV Energie übernahm, wurde es plötzlich merkwürdig still um ihn. „Als Vorstandsvorsitzender stellte ich fest, dass ich plötzlich ganz einsam in der eigenen Organisation wurde, weil niemand auf der gleichen Hierarchieebene war wie ich.“ Schulte versuchte, der Funkstille entgegenzuwirken, setzte, wie er sagt, „kritische Leute“ an Schaltstellen. Nach zwei Jahren hatte sich die Situation gebessert.
Manager unter sich: Chefsein macht einsam
Doch die Einsamkeit des Chefs hängt nicht nur mit der Kultur des konkreten Unternehmens zusammen. Viele Vorstandschefs und Vorstände großer Unternehmen erzählen Ähnliches. Die Luft an der Spitze ist nicht nur dünn, sondern auch kalt. Mitarbeiter begegnen ihren Bossen mit einer gewissen Distanz. Das ist die Kehrseite des Tunnelblicks, den wir unseren Topmanagern gerne vorwerfen: Mit zunehmender Entscheidungsgewalt der Bosse wächst dass Misstrauen der Belegschaft gegen „die da oben“.Die Folge: Die CEOs tauschen sich immer stärker mit ihresgleichen in anderen Unternehmen aus. Gesprächstherapie für Chefs, Selbsthilfegruppen der Millionäre? Ein wenig ist es so. Jedenfalls sind es vor allem die Kollegen aus anderen Firmen, die vielen Bossen als glaubwürdige Gesprächspartner gelten. „So wie beim Ärztekongress über Fachthemen diskutiert wird, müssen Unternehmensentscheider dies ebenfalls tun“, sagt Bastian Fassin, Chef des Süßwarenproduzenten Katjes. Dabei bieten „Verbände, aber auch kleine Gesprächskreise gute Austauschmöglichkeiten.“ Diese müssen jedoch „durch Unternehmer und ein vertrauensvolles Klima geprägt sein“, so Fassin.
Persönliches Netzwerk ist zentraler Erfolgsfaktor
Das persönliche Netzwerk ist also nicht nur für Berufseinsteiger wichtig, sondern wird auch für heutige CEOs zum zentralen Erfolgsfaktor. „Hier tauschen sie Ideen aus, diskutieren wirtschaftspolitische Fragen, aber auch neue Managementmodelle“, sagt Torsten Oltmanns, Global Marketing Director bei der Strategieberatung Roland Berger. Er muss es wissen. Gemeinsam mit seinem Team und der Technischen Universität München hat Oltmanns jetzt in zwei Studien die Großen der deutschen Wirtschaft unter die Lupe genommen.
Tatsächlich haben die Berater Seelenforschung einer scheuen Spezies betrieben: Topmanager stehen im Zentrum gesellschaftlicher Neiddebatten. Millionengehälter und scheinbar menschenfeindliche Standortentscheidungen führen dazu, dass die Popularität der Vorstandschefs großer Firmen immer weiter sinkt. Entsprechend ungern lassen die Bosse sich in die Seele blicken. So weiß niemand, wer die vermeintlichen Jobkiller eigentlich sind, wie sie ticken, sich informieren, Entscheidungen vorbereiten. Fragen wie diese nahmen sich die Berater um Oltmanns vor. In ihren Interviews bekamen sie Einblicke ins Innenleben der Spezies Boss.
Ein Ergebnis: Das Vertrauen in zentrale gesellschaftliche Meinungsmacher ist ausgesprochen begrenzt. Selbst Forschungsinstituten und Wissenschaftlern vertrauen sie deutlich weniger als den eigenen Mitarbeitern und Kollegen in anderen Unternehmen. Je höher man in die Firmenhierarchie blickt, desto deutlicher wird dabei die Differenz: Die Berger-Berater unterscheiden zwischen Dirigenten, Solisten und Orchestermusikern. Sie alle agieren als Entscheider, doch nur die Dirigenten sind die wirklichen Weichensteller, Vorstandschefs und zentrale Vorstandsmitglieder also. Gerade sie differenzieren sehr stark zwischen verschiedenen Informationsquellen. Hier wirken sich offenbar die gemischten Erfahrungen aus, die viele Bosse mit externen Input-Gebern machen mussten.
Politiker sind kaum glaubwürdig
Bitter für die andere Machtelite eines Landes – die Politiker: Gerade ihnen trauen die Bosse in den Vorstandsetagen so gut wie überhaupt nicht. Zehn Prozent halten sie für gar nicht, 70 weitere Prozent für unterdurchschnittlich glaubwürdig. Wirtschaftspolitische Naivität und kurzatmiger Populismus – wie zuletzt im Fall Nokia zu beobachten – lässt offenbar die Vertrauensbasis erodieren.
Das Resultat: Die ökonomische Elite geht auf Distanz zu den gewählten Mächtigen. „Top-Manager tun meines Erachtens gut daran, die direkte Nähe zur Politik zu meiden“, sagt Alexander Rittweger, Chef des Payback-Betreibers Loyalty Partners in München. Ansonsten finde man sich schnell auf glattem Parkett wieder, „auf dem man leicht ausrutscht und sich selbst und seinem Unternehmen im Zweifel mehr schadet als nützt.“ Andererseits: Die gefühlte wirtschaftspolitische Inkompetenz der Regierenden wird dadurch natürlich nicht besser. Einen kompletten Rückzug der Vorstandschefs hält Rittweger deshalb auch nicht für empfehlenswert: „Die Politik ist auf den Austausch mit Entscheidern aus der Wirtschaft angewiesen, insofern halte ich den informellen Austausch in aller Stille durchaus für sinnvoll.“
Wie beim Umgang mit der Politik, so ist den Bossen auch bei ihrer Informationsbeschaffung ein gewisses Grundmisstrauen anzumerken. Zu oft wird offenbar versucht, sie mit tendenziösen Informationen zu manipulieren. Andererseits basiert die Macht des Chefs nicht zuletzt auf Informationen. „Information ist die Leitwährung der Macht“, so Oltmanns. Und so wird die Suche nach Informationen zur „ureigensten und einer der wichtigsten Aufgaben jedes Entscheiders“ – vor allem nach solchen, die andere möglichst nicht haben. 18 Stunden pro Woche wenden nach der Berger-Untersuchung alle Entscheider dafür auf, immerhin 14 Stunden investieren die Dirigenten – also die absoluten Top-Entscheider, in die Beschaffung zuverlässiger Informationen.
„Bitte sagt die Wahrheit“
Bei der Bewertung von Quellen geht es den Bossen vor allem um Zuverlässigkeit. Absolut vertrauenswerte Quellen zu finden, ist ihnen sogar wichtiger als analytische Tiefe oder thematische Breite. „Ihr müsst mir nicht alle Details sagen, aber bitte sagt die Wahrheit“, so offenbar das Credo der Bosse.
Ob das auf firmeninterne Informationen eher zutrifft? Sicher nicht zwangsläufig. Dennoch: Die Berger-Forscher konnten zeigen, dass auf den obersten Hierarchiestufen der Anteil der externen Informationen abnimmt. Die Gefahr davon ist offensichtlich: Chefs, die den Blick nicht mehr nach außen richten, werden zu betriebsblinden Zahlenmenschen. Dieses Problem sehen viele Vorstandschefs heute auch. „Top-Entscheider, die nur noch interne Quellen nutzen, laufen große Gefahr, Scheuklappen anzulegen und Kritik auszublenden“, sagt etwa Payback-Chef Rittweger.
„Stimmt, das Risiko besteht“, räumt auch Katjes-Chef Fassin ein. Seine Lösung: „Raus aus den Büros, ran an die Kunden!“ Den Bossen in seiner Branche empfiehlt Fassin, „regelmäßige Storechecks zu machen oder mit den Kunden zu diskutieren. Marketing startet beim Kunden und nicht den Kollegen!“
Eine Person, auf die sich die Manager hundertprozentig verlassen, sitzt indes weder in den Büros der Vorstandsstäbe noch überhaupt in großen Büros: die eigene Frau. Ihr trauen die Chefs am ehesten. Auch bei unternehmensrelevanten Überlegungen bleibt sie durchaus nicht immer außen vor. Gerade für die absoluten Top-Entscheider, die Dirigenten, ist sie sogar besonders wichtig, so die Berger-Studie. Das bestätigt auch Thomas Blunck, Vorstandsmitglied der Münchner Rückversicherung. Er bezieht seine Frau zwar nicht in Fachfragen mit ein, aber in „Themen der Führung, des Konfliktmanagements oder emotionaler Erlebnisse“. Bastian Fassin zieht oft sogar weitere Familienmitglieder zurate. „Familien sind das vertrauensvollste und auch ehrlichste Netzwerk für mich. Ob man will oder nicht, den Sparringspartner habe ich als Familienunternehmer immer.“

