Archiv für April 2008

Black Magic Gudrun oder Baders Plattensammlung

April 25, 2008

Black Magic Gudrun

RAF-Chef und Staatsfeind Nr. 1: Andreas Baaders Musikgeschmack war der von Millionen. In Stammheim hörte er Santana, Jethro Tull und, ähem, Iron Butterfly – so die TAZ.

Drei Tage nachdem der zu „lebenslänglich“ verurteilte RAF-Chef Andreas Baader seinen Schallplattenspieler geöffnet, eine dort versteckte 7,65-mm-Pistole herausgenommen und seinem Leben mit einem Nackenschuss ein Ende gesetzt hatte, stellte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg am 21. Oktober 1977 ein Verzeichnis der in Baaders Zelle 719 gefundenen Gegenstände auf. Die Liste beginnt mit vier Bücherregalen, 974 Büchern, 75 Langspielplatten und endet nach weiteren 54 Positionen mit 1 Schachtel Abfall.

Im darauf folgenden Sommer wurden die verzeichneten Gegenstände von einem Wasserschaden im zweiten Untergeschoss der JVA Stammheim zerstört und anschließend entsorgt. Einzelne Buch- und Plattentitel wurde zuvor nie offiziell dokumentiert. Im Rahmen der Recherchearbeit für seine viel beachtete Biografie „Andreas Baader“ kopierte Jörg Hermann im Hamburger Institut für Sozialforschung neben vielen anderen Dokumenten den unscheinbaren Durchschlag einer schreibmaschinengetippten Bestellung an den Frankfurter Verlag Zweitausendeins, dem er zunächst keine besondere Beachtung schenkte. Das akkurate Schreiben wurde am 8. Juli 1974 von Anwalt Klaus Croissant oder von Baader selbst aufgesetzt.

Text: 18 Bandnamen mit Titelbestellnummern. Zu senden an Herrn Andreas Baader, 3579 Schwalmstadt 2, Justizvollzugsanstalt.

Ortswechsel, zweieinhalb Jahre früher, Anfang 1972: Berlin-Schöneberg, Club international. Beim Bier: Rio Reiser, Sänger der Ton Steine Scherben, Bruder und Manager Gert Moebius und Freunde aus der Rauch-Haus-Besetzerszene. Der von farbigen GIs besuchte Club war auch für einige Berliner Spontis, Linke und Freaks Treffpunkt und Anlaufstelle – nicht um zu politisieren, hier hörte man Motown-Soul und tanzte stundenlang unter der Spiegelkugel im Blaulicht. Warum sich Reisers Bruder so genau an diesen Abend erinnert, hängt mit dem Gast zusammen, der gegen 23 Uhr das Lokal betrat und zielstrebig die Bar ansteuerte. Zigarre, blankrasierter Kopf, knielanger, weißer Pelzmantel. Moebius erkannte ihn sofort: Ende der 60er-Jahre war man sich im Windschatten einiger Berliner Theaterprojekte begegnet. Der Mann im weißen Pelz hieß Andreas Baader. Flüchtiger Bekannter aus Berliner Tagen und seit Sommer 1971 Staatsfeind Nr. 1. „Ich bin die paar Meter rüber zu ihm und habe ,Hallo Andreas’ gesagt. Der hat mich nur kurz angeschaut und so was geantwortet wie: ,Na komm, lass mal sein. Ich trinke nur mein Bier aus und verschwinde gleich wieder.’ Mitten in unser Erstaunen über diesen dreisten Auftritt stürmte eine Hundertschaft Bullen den Club International. Sie verpassten Baader nur um wenige Minuten.“

Diese alle gängigen „Porschefahrer-, Samthosen-, Edelgangster“-Klischees bedienende Begegnung zwischen dem musikalischen Sprachrohr der damals neuen linken Protestbewegung namens Ton Steine Scherben und Baader, der Monate zuvor dem bundesdeutschen Staat den Krieg erklärt hat, ist wirklich passiert, war aber rein zufällig. Baader kam nicht, um zu tanzen, und auch Sympathiebekundungen Baaders für die Ton Steine Scherben sind nicht überliefert. Jugendfreund Holm von Czettritz erzählt von intensiven langen Gesprächen, an einen singenden oder tanzenden Andreas kann er sich aber nicht erinnern. Musik sei damals in München kein Thema gewesen, und die wenigen Besuche in Jazzkellern galten ausschließlich den anwesenden Mädchen. Von Czettritz bezweifelt, dass sich daran in den Berliner Jahren irgendetwas geändert haben könnte. Das scheinen zunächst auch die achtzehn 1974 in die JVA bestellten Platten zu bestätigen. Ton Steine Scherben stehen nicht auf der Liste. Die schrabbelig-schrille, schmerzhaft lebendige Protestmusik aus den Berliner Hinterhöfen interessierte Baader nicht. Seine Musikauswahl bestand aus einigen Santana-Alben, Jethro Tulls „Living in the Past“, Pink Floyds „Ummagumma“, Iron Butterflys „In a Gadda da Vida“, Johnny Winters „Johnny and“, Leonard Cohens „Songs of Leonard Cohen“ und LPs von weiteren auch 1974 schon weltberühmten „Hall of Fame“-Rockern.

Auch Wolfgang Seidel (59), erster Schlagzeuger von Ton Steine Scherben und Autor des Buches „Scherben“ (Ventil-Verlag Mainz), ist beim Lesen der Liste über die vielen Rock-Dinosaurier gestolpert: „Das sind doch Platten, die ich heute auch bei Gerhard Schröder im Regal vermuten würde – gleich neben den Scorpions. Oder zu Hause bei Joschka Fischer.“ Heute sei die Rockmusik zwar allgegenwärtig, aber auch „längst an ihren gebrochenen Versprechen versteinert“. Sie symbolisiere „nur noch eines: Stillstand“. Man müsse die Liste im historischen Kontext sehen, sagt Seidel: „Vor über dreißig Jahren war diese Musik der Soundtrack für das große Unbehagen am Alten und die Verheißung einer anderen Welt fernab des grauen Nachkriegsdeutschlands mit seinem verkniffenen Schweigen und den Leichenbergen im Keller.“

Orte haben ihre ganz eigenen akustischen Fingerprints – ein Kaufhaus ebenso wie eine Justizvollzugsanstalt. Der Soundtrack von Schwalmstadt, Stammheim und Co. bestand zuerst einmal aus Stille. Und wieder aus Stille. Außengeräusche blieben dünn. Da wurden schon die quietschenden Gummireifen der Essenswagen zum Klangereignis.

Die 75 Langspielplatten Baaders waren auch 75 individuell ausgewählte Klangwelten. Wie Horst Bubeck, damals stellvertretender Vollzugsdienstleiter der Anstalt, erzählt, gab es dafür allerdings keine Ohrenzeugen: Für die RAF-Gefangenen war die Betreibung der Platten nur mit Kopfhörern gestattet. Bubeck erinnert sich, dass die Inhaftierten oft da lagen oder saßen, Bücher lasen und ihre Kopfhörer auf hatten. „Mordsapparate“, wie er bezeugen kann.

Die jetzt bekannt gewordenen 18 von 75 Schallplatten zeigen: Andreas Baaders Sammlung unterschied sich wahrscheinlich kaum von der seiner damaligen Altersgenossen. Er war kein Jazzer und auch kein Motown-Fan. Musik eignete sich einfach nicht als Teil seiner Selbstinszenierung, schon gar nicht im Knast und über Kopfhörer. Und ob man dann „You Cant Always Get What You Want“ von den Rolling Stones oder „Ich hasse diesen Ort und die Wände sind kahl/Vom Gewichteheben habe ich langsam Hände aus Stahl“ aus „Staatsfeind Nr. 1″ von Bushido hört – das entscheidet die Zeit, in der man aufwächst.

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Warum ein Urlaubsfoto eine Bürgermeisterin den Job kostete

April 25, 2008

Carmens Krieg

Carmen war hübsch, einsam, in Arlington wusste jeder, dass sie einen Mann suchte. Das allein reichte aber nicht, um sie anzugreifen. Sie fanden ein Foto. Einen Schnappschuss, vor einem Jahr ins Internet gestellt, auf eine MySpace-Seite, ein winziges Datenkörnchen im digitalen Universum, harmlos, belanglos. Damit begann Carmens Krieg, der bis heute anhält.

Carmen Kontur-Gronquist – „nennen Sie mich Carmen“ -, straff, sportlich, drei Tattoos, zwei Schönheitsoperationen, die Nase etwas feiner, der Busen etwas runder, Carmen, wohnhaft in Arlington, im US-Bundesstaat Oregon, links oben auf der Landkarte, Direktorin des lokalen Ambulanz- und Gesundheitszentrums – Carmen kämpft den Kampf ihres Lebens, sie kämpft um ihre verlorene Ehre.

In der Politik kann alles zur Waffe werden, sagt sie, das hab ich lernen müssen. Und eigentlich, sagt sie, wollte ich nur meiner Stadt helfen.

Arlington, 610 Einwohner, liegt hoch, die Winter hier sind rau, die Sommer wundervoll. Am Ortsrand verläuft der Columbia River, mächtigster Strom im amerikanischen Nordwesten, 1243 Meilen, fischreich, man kann schwimmen, sonnenbaden, die Lachse springen.

Carmens Familie lebt hier seit drei Generationen. Carmen verbrachte in Arlington ihre Kindheit, keine leichte, ihre Mutter starb früh, das Geld war knapp. Carmen biss sich durch. Später zog sie fort, kehrte jedoch zurück. Alle sind sie hier, sagt Carmen. Meine Cousins, meine Tanten, Onkel, mein geschiedener Mann, der Vater meiner Tochter. Und meine Tochter ist gerade 18 geworden, ich kann sie doch nicht von hier wegreißen!

Den Gemeinderat von Arlington bilden sechs gewählte Mitglieder plus Bürgermeister oder Bürgermeisterin. Geld gibt es nicht: nur ein Dienst-Handy und einen zerkratzten Schreibtisch in der Mehrzweckhalle, die als Rathaus herhält. Arbeit gibt es: Die Gemeinde hat Schulden in Höhe von rund drei Millionen Dollar.

Am 5. Januar wurde Carmen Bürgermeisterin, rasch begann sie ihr Wahlprogramm umzusetzen: Konsolidierung der Gemeindefinanzen.

Der Neun-Loch-Golfplatz von Arlington kostet die Gemeinde rund 63.000 Dollar im Jahr, Pflege, Lohn für die Gärtner, den Platzmanager. Die kommunalen Schulden allein deswegen belaufen sich auf etwa 750.000 Dollar, mehr als der gesamte letzte Jahresetat der Gemeinde.

Carmen ließ den Platz schließen, wenigstens für die Wintersaison. Und so machte sie sich Feinde.

Über das, was dann geschah in Arlington, gibt es zwei Versionen. Die eine Version stammt von Carmens Gegnern – die fanden, ein kommunal finanzierter Golfplatz gehöre zum Leben dazu, Carmen solle die Finger davon lassen. Es sind die alteingesessenen Familien von Arlington, die W.s und M.s, die nicht möchten, dass man ihren Namen druckt. Es sind, wenig überraschend, die Golfspieler im Städtchen, eine kleine, verhältnismäßig reiche Minderheit.

Die andere Version ist Carmens eigene: Sie hatte die Mehrheit im Gemeinderat, konnte ihre Sparmaßnahmen durchdrücken. Also durchforsteten ihre Gegner ihr Leben. Sie suchten irgendwas, um es gegen sie einzusetzen. Und sie fanden ein Foto.

Eines Sommertags, im Jahr 2004, waren Carmen und ihre Freundin Melanie zum Columbia River gefahren. Am Flussufer hatten sie gepicknickt, sie schwammen, nahmen ein Sonnenbad. Abends fühlten sie sich schön. Melanie war gerade Mitglied der freiwilligen Feuerwehr geworden, sie wollte ihrer Mutter ein Foto von sich in Uniform schicken. Die Frauen fuhren in die Feuerwache, kicherten und knipsten sich gegenseitig. Melanie fotografierte ihre Freundin Carmen in Unterwäsche – Carmen sah toll aus, so braungebrannt.

Die Situation hatte nichts Anzügliches, sagt Carmen.

Sie vergaß das Foto. Später fand ihre Cousine das Bild, stellte es ins Internet, auf die MySpace-Seite, die sie für Carmen eingerichtet hatte. MySpace ist eine Kennenlern-Site, harmlos.

Das Foto wurde von ihren politischen Gegnern rund 300-mal kopiert und in Arlington verteilt wie ein heißes Indiz. Journalisten wurden mit Informationen gefüttert, eine Story geschmiedet. Carmens Gegner sagten, sie fänden es moralisch untragbar: eine Amtsperson, die sich anzüglich darstellt. Flittchen, Nymphomanin! Lasst sie doch, sagten andere. Das Gift sickerte, Hass loderte, die Stadt war gespalten. Carmen wurde von der Geschichte im Urlaub überrascht.

Als Bürgermeisterin hätte sie einen guten Job gemacht, findet sie, der Rest sei Privatsache. Und früher, als sie vier Jahre lang ehrenamtliche Bademeisterin war und Kinder vorm Ertrinken bewahrte, da hatte sie einen String-Bikini getragen, der weitaus mehr von ihr zeigte, und niemand hatte sich beklagt. Außerdem, verdammt, sei es ihr Körper.

Ihre Gegner jedoch setzten eine Neuwahl durch; und in der sehr kleinen Stadt Arlington lief alles, wenn auch im sehr kleinen Maßstab, nach dem bewährten Muster schmutziger politischer Intrigen. Carmen verlor die Wahl, ihr fehlten drei Stimmen.

Jetzt hat sie Klage eingereicht, sie will eine Untersuchung des Falles. Und sie verkauft das Foto als Miniposter, spendet den Erlös ihrer Stadt, mit einer Auflage: nicht für den Golfplatz. Und sie ist nicht mehr so einsam, nach all der Publicity. Neulich, als sie auf ihrer MySpace-Seite war, hatte sie 121.172 Zuschriften.

Saufgelage bei Klassenausflug

April 22, 2008

Notärzte, Rettungshubschrauber und eine gesperrte Autobahn: Drei Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen sorgten mit einem Saufgelage im Bus für ein vorzeitiges Ende eines Klassenausflugs.Zwei der Jugendlichen, ein 14- und ein 16-Jähriger, kamen wegen einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus, berichtete die Polizei in Dortmund.

Weil der Zustand des 14-Jährigen zunächst äußerst kritisch schien, wurde sogar ein Rettungshubschrauber angefordert. Für dessen Landung musste eine Fahrbahn der A 45 gesperrt werden. Der Transport per Helikopter war dann aber doch nicht notwendig, Krankenwagen reichten aus. Für die anderen Schulkameraden ging es mit dem Bus unverrichteter Dinge zurück ins heimische Kreuztal.

Das große Schweigen um die „Leihbeamten“-Affäre

April 14, 2008

Und keiner nennt es Korruption (Heise)

Seit zwei Jahren ist bekannt, dass in deutschen Bundesministerien sogenannte „externe Mitarbeiter“ oder auch „Leihbeamte“ tätig sind. Finanziert werden sie meist von großen Konzernen, und sie üben brisante Tätigkeiten aus, sind beteiligt an der öffentlichen Auftragsvergabe und am Entwerfen von Gesetzesvorlagen. Das Politmagazin Monitor berichtete vor kurzem, aber die Bundesregierung wies tags darauf die Kritik zurück: Man brauche die externe Kompetenz, da die Regierungsbehörden selber nicht darüber verfügen. Ende der Debatte.

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Monitor [extern] enthüllte am 3.April einen geheimen Bericht des [extern] Bundesrechnungshofs,, aus dem hervorgeht, dass die Bundesregierung Öffentlichkeit und Parlament seit Jahren nicht die Wahrheit sagt. Auf telefonische Anfrage erklärt Herr Krämer, Jurist im Bundesrechnungshof, der betreffende Bericht sei nicht öffentlich, man könne die Monitor-Reportage daher weder offiziell dementieren noch bestätigen. Man wäre in der Vergangenheit jedoch gegen falsche Darstellungen der Arbeitsergebnisse des Rechnungshofes z.B. in der Bildzeitung vorgegangen, was in diesem Fall aber nicht infrage komme.

Dabei bestätigt der Bericht einen handfesten Skandal: Die Bundesregierung sagt seit mindestens Oktober 2006 sogar gegenüber Nachfragen des Parlaments über den höchst zweifelhaften Einsatz sogenannter „externer Mitarbeiter“ nicht die Wahrheit. Diese „Leihbeamten“ sind schon seit 2004 tätig, teils an brisanter Stelle, in Bundesministerien, aber bezahlt werden sie von der Industrie. Angeblich arbeiten die Industrievertreter dort vollkommen unabhängig, gemeinnützig und unbeeinflusst von ihren Brötchengebern. Keine der Firmen, die dort einen ihrer hochkompetenten Spitzenverdiener für lau etwa dem Außen- oder Wirtschaftsministerium überlässt, verspricht sich davon einen Einfluss auf Regierungshandeln. Keine der Firmen, die dort ihre Top-Spezialisten in brisanten Bereichen staatlichen Handelns platzieren darf, hat für dieses Privileg irgendeinen Politiker bestochen. Warum dann aber die Geheimhaltung? Warum hat die Regierung Öffentlichkeit und Parlamentarier bislang über Art und Ausmaß dieser Leihbeamten-Invasion nicht oder falsch informiert? Und warum schweigen, bis auf ein paar abwiegelnde Meldungen, jene Medien, die sich sonst so gierig auf jede angebliche Lüge eines Politikers stürzen?

Was ist passiert? Am 3.4.2008 durfte das Politmagazin der ARD, Monitor, gegen 22.00 Uhr etwa acht Minuten lang über einen Skandal berichten, der sich seit zwei Jahren hinzieht. Im Eingangsstatement [extern] wies Monitor darauf hin, dass keineswegs von allein, sondern erst durch die Recherchen des Politmagazins inzwischen immerhin der Bundesrechnungshof auf den Leihbeamten-Skandal aufmerksam wurde:

Astrologe sagt „Jahr der wütenden Frauen“ voraus.

April 13, 2008

Astrologe sagt „Jahr der wütenden Frauen“ voraus

Das kann ja heiter werden:

Man weiß kaum, welches der vorhergesagten Übel das größte ist: Der königliche Astrologe von Kambodscha hat seine Prognose für das kommende Jahr abgegeben – und die verheißt nichts Gutes. Inflation, schlechte Ernten und – wütende Ehefrauen.

Phnom Penh – „Es wird Mord und Totschlag geben, auf die Gütigen wird herabgeblickt werden, der Salzpreis steigt, und die Frauen einflussreicher Beamter werden vor Ärger kochen.“ Mit dieser Prognose dürfte Im Borin, königlicher Astrologe von Kambodscha, seinen Landsleuten die Vorfreude aufs neue Jahr gründlich verdorben haben.

Kambodscha feiert jedes Jahr im April das neue Mondjahr, Im Borin gibt dazu eine astrologische Expertise ab – und die fällt heuer pessimistisch aus. Den Verweis auf wütende Frauen interpretieren die Kambodschaner als Warnung vor außerehelichen Affären. Viele Männer halten Mätressen für ein Zeichen von Wohlstand. Vor zwei Jahren stellte die Regierung Ehebruch unter Strafe – auf Druck der Frauen einflussreicher Beamter, hieß es damals. Die kambodschanischen Frauen sind für ihr rachsüchtiges Temperament bekannt. Immer wieder machen Fälle von angeheuerten Killern Schlagzeilen, und von Mätressen, die auf offener Straße mit Benzin übergossen und angezündet werden.