wieder Familie aus dem Zug geworfen

By globowriter

also, es ist schon mit Verlaub gesagt – eine selten dämliche Ausrede, wenn eine Schaffnerin behauptet, sie wüsste nicht, dass vierjährige Umsonst fahren. Über die Ausreden, die die Bahn im Zusammenhang mit den Zwischenfällen der letzten Woche berichtet, kann man wahrlich nur den Kopf schütteln  – vielleicht haben diese sogenannten Zugbegleiter nur ein Feindbild: die Bahnkunden!Bei einer Kontrolle durch eine Zugbegleiterin der Bahn gab es erneut einen Zwischenfall. Einer Familie, die das Baden-Württemberg-Ticket nutzte, wurde Schwarzfahrerei vorgeworfen.

Schon wieder ein wenig kinderfreundlicher Zwischenfall bei der Bahn: Eine Zugbegleiterin auf der Strecke Stuttgart-Aalen wusste nicht, dass Kinder unter sechs Jahren umsonst fahren, wie der Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Stefan Buhl, am Montag in Stuttgart berichtete. Die Bahn-Mitarbeiterin habe einer sechsköpfigen Familie, die das Baden-Württemberg-Ticket nutzte, Schwarzfahrerei vorgeworfen. Sie habe aber übersehen, dass ein vier Jahre altes Kind nicht bezahlen müsse. Das Ticket gilt nur für fünf Personen.

„Die Zugbegleiterin alarmierte zwei Polizisten, die sogar damit drohten, die Familie mitzunehmen“, sagte Buhl und berief sich dabei auf einen Artikel in der „Schwäbischen Post“ (Aalen). Die Familie musste sogar 40 Euro nachzahlen. „Das sind unhaltbare Zustände bei der Fahrkartenkontrolle. Buhl forderte bessere Schulungen der Bahn-Mitarbeiter und mehr Personal.

Eine Bahn-Sprecherin in Stuttgart gab an, die Bahn habe sich sich für den Vorfall entschuldigt. Es handele sich um einen bedauerlichen Einzelfall. Die Familie habe das Geld zurückerstattet bekommen, den Kindern seien zwischenzeitlich Weihnachtsgeschenke zugeschickt worden. „Unsere Zubegleiter werden über Änderungen fortlaufend informiert und zwei Mal im Jahr jeweils an einem Tag geschult.“

Für den Fahrgastverband ist der „krasse Vorfall“ in Baden-Württemberg symptomatisch. „Im Nahverkehr gibt es nicht mehr so gut ausgebildete Schaffner. Teilweise besteht es nur aus Prüfpersonal, das offensichtlich nicht ausreichend informiert ist.“ Viele hätten fachliche Schwächen.

Beim letzten Vorfall schickte ein Schaffner eine Mutter zur Entwertung von Fahrkarten aus dem Zug. Weil die 53-jährige Frau aus Kassel die Tickets nicht entwertet hatte, mussten ihre drei Kinder im Alter vonneun, elf und zwölf Jahren allein nach Bremen weiter fahren. Zuvor hatte sich die Frau in Norddeutschland von sich aus an den Schaffner gewandt. Dieser hatte ihr geraten, die Fahrscheine beim nächsten Halt nachzustempeln. Doch dann fuhr der Zug ohne sie weiter. Die Bahn bedauert den Vorfall, weist die Schuld aber von sich.

Im Oktober und November hatten Schaffner drei Kinder aus Zügen der Bahn verwiesen, weil diese ohne Fahrkarten unterwegs waren. Die Bahn entschuldigte sich in allen drei Fällen. Alle Zugbegleiter müssen sich nach Angaben des Unternehmens seitdem schriftlich verpflichten, dass sie keine Kinder aus Zügen schicken. Außerdem kündigte die Bahn Schulungen für Schaffner an, bei denen es auch um kundenfreundliches Verhalten gehen soll. (dpa)


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